15
Apr
2010

@work

Die Aussicht auf baldig erneute Befristung, die mich spontan vor der nahenden Arbeitslosigkeit rettet, motiviert mich natürlich ins Unermessliche, auch wenn der Mitbewohner ein minderbemittelter, großkotziger, egozentrischer Honk bleibt.

Dass die eine Beste jetzt auch noch zukünftig im Betriebsrat sitzt, garantiert weiterhin tiefergehenden Informationsfluss - in meiner Situation auch nicht das Schlechteste.

Der fast blinde Ex-Radiologe hält mich offensichtlich immer noch für eine unfähige Trulla, die nichts weiter auszeichnet, als ihr ganz anschaulicher Arsch - für ihn natürlich uninteressant, weil fast blind - und übermüdetes Rumgestottere in Verbindung mit undurchdachten Flüchtigkeitsfehlern tragen nicht zur Verbesserung meiner Reputation bei. Vielleicht ist mir das aber inzwischen auch egal.

Der Kaffee schmeckt unten neuerdings besser als oben, und ich leide ganz ehrlich mit dem Ex, dass er nun aus dem Lieblingsbüro doch wieder ausziehen muss - in die Hölle unters Dach zu den Mumien erster Güte. Aber so etwas bringt eine Teamintegration in die Truppe des größtmöglichen Schleimschwätzers nun einmal mit sich.

Der gedemütigte Schatten mausert sich zum teilzeitangepissten Durchschnittskollegen und meine Angst, er könnte eines Tages doch mit der Armbrust und einer Ladung vergifteter Pfeile in meiner Bürotür stehen, verflüchtigt sich täglich ein bisschen mehr.

Alles in Allem gleichbleibend erträgliches Klima mit einigen Temperaturschwankungen, heiter bis wolkig.
Und das Beste am Tag bleiben die (Nicht)Raucherpausen.

13
Apr
2010

if not now...

Hab dich selten so viel und so oft lächeln gesehen wie gestern.

Und erst deine unglaubliche Überlegenheit, als der Mitbewohner sich der Lächerlichkeit preisgibt: "Du siehst so gut aus heute. Trinkst du weniger?" - "Nein. Nur besser."

11
Apr
2010

erwischt

Mit einer Handbewegung bringst du mir ein Stück Kindheit zurück, von dem ich vergessen hatte, es jemals verloren zu haben, und ich erstarre in einer Mischung aus ungläubiger Überraschung, Lachen und Weinen und versuche mich gleichzeitig zu erinnern, wann mir das letzte Mal jemand ein solch großes Geschenk machen konnte.
Lang muss es her sein.

Und ich hatte schon gedacht, den besten Moment des Tages hinter mir gehabt zu haben, als ich dich in einem Schuljungenmoment ertappte und in dein Spitzbubenlächeln fiel.

8
Apr
2010

mo-do

Eine Woche ohne Anfang... und ein Ende will sie auch nicht nehmen.

Als ich am Montag bewusst in den falschen Zug stieg, weil ich dem heimischen Muff für eine Nacht in der Hauptstadt entfliehen wollte, ahnte ich noch nicht, mit welchem Kater im Kopf ich heute erwachen würde. Doch für solche Gelegenheiten hat Ayscough ja die Sonnenbrille erfunden.
Der Wecker trieb mich aus dem Bett und so trug ich tapfer den lichtgeschützten Brummschädel den Berg hinauf nur um hinnehmen zu müssen, dass mein einziges, wervollstes Arbeitsgerät, mein Baby, mein Schatz, mein Ein und Alles, kurz gesagt mein Rechner, das Heiligtum einer jeden restalkoholgeplagten Entwicklerin beschlossen hatte den Dienst zu verweigern.
An einem Morgen wie diesem also, an dem frau nichts lieber tun würde, als sich hinter einem Bildschirm zu verkriechen, das Telefon zu ignorieren und die Bürotür zu verbarrikadieren, war ich dazu verdammt, halbstündlich meinen Administrator zu belästigen und vor Langeweile durch sämtliche Büros zu tingeln und Kollegen auf den Geist zu gehen, bis ich im Lieblingsbüro einen Azubi-Rechner in Beschlag nehmen durfte, denn tatsächlich kann sich unser kleiner Großkonzern vor lauter Wirtschaftskrise keine Ersatznotebooks mehr leisten.
Ein bisschen Meeting hier, ein bisschen Kaffee dort und so schleppte sich auch der Morgen in Richtung Mittagspause und der Admin mein blitzrepariertes Laptop zurück an seinen angestammten Platz neben meiner Kaffeetasse.

Berlin, im Übrigen, ist eine ganz wunderbare Stadt, natürlich auch voller Dreckecken, dafür allerdings weniger überbewertet, als das mir inzwischen unerträglich gewordene München. Deswegen stieg ich, um auf den Wochenanfang zurückzukommen, auch ganz spontan in den ICE in die falsche Richtung, nahm mir ein Zimmer am Bahnhof, genoß ein wenig den Ausblick und später ein paar Lungen voller kühler Nachtluft an geschichtsträchtigen Orten und freute mich des Lebens und der Tatsache, dass niemand der mich kannte, zu diesem Zeitpunkt wusste, wo ich mich befand.

Im Zug zurück in Richtung Süddeutschland vertrieb ich mir am nächsten Tag die Zeit mit der Lektüre eines Romans über die Beweggründe eines Selbstmordattentäters im fernen Irak und ließ mir vom Vorsitzenden irgendeines klein- oder auch großstädtischen Opernvereins eine Opernkarte und einen netten Abend versprechen, falls ich es denn in Betracht ziehen würde, meine kreativen Kräfte für ihn bzw. seine Website walten zu lassen. Ich ließ mir seine Karte geben und beschloss sie in den nächsten Mülleimer zu werfen. Doch ein nettes Gespräch war es allemal.

Als ich den neuheimatlichen Gefilden näher kam, fiel mir wieder auf, wie sehr ich es hasse ungefähr jede zweite Nase hier mit Namen und den Rest eben vom Sehen her zu kennen. Da steigt man aus dem Bus, nur um sich mit Gabi abzuklatschen, die gerade hineinsteigt. Zwei Meter weiter setzt Peter gerade Steffi vor der Apotheke ab, während der Schorsch auf seinem Radl vorbeikommt. Der Toni steht im Vorgarten und amputiert ein paar Äste von einer trübe dreinschauenden Eiche und bis man zehn Minuten später die eigene Haustür erreicht hat, hat man ungefähr zwanzig Leute gegrüßt und drei bis fünfundzwanzig neugierige Paar Altfrauenaugen hinter irgendwelchen Gardinen beobachtet, weil man mal wieder in viel zu auffälligen Klamotten durchs Dorf läuft. Und genau da wurde mir klar, dass ich dem Qualitätsmanagement wohl noch ein paar Tage aus dem Weg gehen müsste, weil ich den von ihm vermittelten Job nebenan gar nicht mehr wollte, sondern eigentlich nur noch hier weg.

Deswegen ward dann auch der Mittwoch ein ganz kurzer Arbeitstag, dessen Rest ich lieber mit den Jungs im Grünen und später auf der Couch des Lieblingsmenschen verbrachte um viel zu viel Bier zu trinken und viel zu viel zu rauchen und viel zu viel Spaß zu haben.

Und deswegen heute: der Brummschädel. Und du mit deinen trübblauen Augen, in denen ich mich so gern verliere.

Und deswegen morgen: Gott sei Dank Freitag.

2
Apr
2010

home

Spaziere durch die öden Landschaften meiner Kindheit und fühle mich heimatloser denn je. Hier sieht immer noch alles so aus, wie vor 20 Jahren. Oder aber auch nicht.
Das Wohnblockghetto hinter unserer Einfamilienhaussiedlung haben sie bunt angemalt, Stockwerke abgetragen, ganze Gebäude eingestampft - nur die Trostlosigkeit hat man nicht wegbekommen.
Der Straße vor meiner Haustür haben sie den "Bundes"-Vorsatz wegamputiert, sie enger gemacht, mit Kreisverkehren und Parkplätzen bestückt.
Die kleine Brücke am Ende des Rodelhanges ist eingestürzt/abgerissen. Macht nix, der Bach ist eh vertrocknet.
Der Kindergarten ist jetzt ein Seniorenzentrum mit dem sprechenden Namen "Goldener Herbst". (Tatsächlich würde ich ums Verrecken nicht den Herbst meinees Lebens dort verbringen wollen. Und wenn schon ein Herbst, dann müsste der bunt sein, allein schon weil ich Gold nicht ausstehen kann.)
Plätze, an denen wir als Kinder gespielt haben, wurden eingezäunt und mit "Betreten verboten!"-Schildern gespickt.
Die Menschen hinter den Gartenzäunen sehen mich an wie eine Außerirdische, aber vielleicht liegt das auch nur an meiner türkisfarbenen Strumpfhose. (Ostdeutsche Kleinstädte!)

Auf jeden Fall fühlt sich das nicht an wie nach Hause kommen. Das fühlt sich eher an wie eine Vergangenheit, in die ich nicht zurückkehren möchte.

30
Mrz
2010

...

Du bist so unberechenbar wie das Wetter, und dummerweise ist genau das der Grund, aus dem ich gerade mein Herz an dich verliere.

Stehe kurz davor zu viel Geld für eine neue Kamera auszugeben, dabei wäre ein neues Auto viel wichtiger. Nur kann ich mich nicht daran erinnern, jemals eine tatsächlich rationale Entscheidung getroffen zu haben.
Das macht die irrationale Investition wahrscheinlicher.
Das mag auch der Grund dafür sein, dass ich momentan alle Menschen von mir stoße, die glauben, sich um mich sorgen zu müssen.
Von den drei Kilo, die ich in der letzten Woche verloren habe ganz zu schweigen.

Und der Vollmond hängt am Himmel wie ein leuchtender blanker Hintern.

28
Mrz
2010

verschlafen

Aufgestanden und mich erst einmal gefragt, welche der beiden Uhren mich gerade versucht zu verarschen - die am Handy oder die an der Wand - nur um mich kurz darauf an diesen Zeitumstellungsmist zu erinnern, der, so überflüssig wie ein Eierkocher, zwei Mal im Jahr total unverhofft über einen hereinbricht.

Doch nach der ersten Zigarette des Tages und einem Kaffee so schwarz wie deine Augen in der Nacht, gelingt es mir so zu tun, als wäre die Welt vor meinem Balkon nicht das oberbayrische Hinterland, sondern ein verregneter Strand irgendwo in der Bretagne - und alles ist wieder gut.

27
Mrz
2010

black pearls

Wie du mir in einem Traum buntschwarze Holzperlen von Straßenschildern pflückst, die du mir in der Schale überreichst, die deine Handflächen formen und ich den Tag verfluche, der mich viel zu früh erwachen lässt.
Und in der folgenden Nacht nimmst du mich mit auf eine Reise durch den Schnee in deinem Panzer, deinem Schiff und ich sehe Land und Wasser an uns vorbeiziehen und wünsche niemals irgendwo anzukommen - zumindest so lange nicht, bis mir eine passende Kopfbedeckung eingefallen ist, um deine Ohren vor der Kälte zu schützen.

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Zwitscherei

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